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Der Badezuber als neuer Treffpunkt

Wie oft sprechen Sie mit anderen Menschen? Vielleicht nicht mehr so häufig, zumindest nicht wie früher. Die neue Technologie bietet viele Vorteile, hat aber auch das persönliche Gespräch verdrängt. Nehmen wir einmal die Kantine auf der Arbeit. Früher traf man sich mit den Kollegen und aß dort zu Mittag. Vielleicht hat man sich nicht nur beim Mittagessen, sondern auch zu einigen Kaffeepausen getroffen. Doch dann bekam jeder einzelne ein Smartphone und im Nu benötigte man keine Mitmenschen mehr, um sozial zu sein – Gesellschaft ist auf dem Telefonbildschirm verfügbar.

Gleiches gilt für zu Hause. Schafft man es, dass die gesamte Familie zum Essen zusammenkommt, kann man sich sicher sein, dass ein Fernseher, Laptop oder Telefon dem persönlichen Treffen im Weg steht. Oftmals geben wir auf, machen Essen, senden eine Gruppen-SMS, dass das Essen fertig ist und dann kann sich jeder seine Portion abholen und in der Mikrowelle aufwärmen.

Selbst Jobmeetings werden natürlich nicht mehr unter vier oder mehreren Augen durchgeführt – dafür haben wir Skype oder Teams, die es uns ermöglichen, an verschiedenen Orten zu sitzen. Es ist gut, dass wir diese Technologie haben, aber es stimmt doch, dass es nicht ganz dasselbe ist, denn etwas geht dabei immer verloren.

Dennoch sollten wir den Kampf um das persönliche Treffen nicht aufgeben, sondern einfach neue Formen dafür finden. Eine davon ist der Badezuber. Ein paar Leute in einem warmen, holzbefeuerten Badezuber zu versammeln, ist nicht nur schön, sondern auch ein hoffnungsloser Ort für ein Telefon, da es in kürzester Zeit durch Feuchtigkeit beschädigt wäre. Selbst bei einem wasserdichten Modell machen Wasserdampf und Spritzer es völlig unmöglich, den Bildschirm zu sehen.

Vielleicht werden die jüngsten Familienmitglieder, die noch nie eine Welt ohne Smartphones erlebt haben, feststellen, dass es eigentlich ganz angenehm und beruhigend ist, ein wenig Zeit ganz ohne technische Gerätschaften zu verbringen. Aber auch ältere Menschen, die sich womöglich an eine Zeit erinnern, als die Telefone noch an der Wand befestigt waren, müssen mitunter daran erinnert werden, dass es etwas Besonderes ist, Körpersprache zu verwenden und die Mimik ihrer Gesprächspartner zu erleben.

So fantastisch die technische Entwicklung auch ist, gibt es nicht mehr als 100 % Fokus – und wenn wir diese Aufmerksamkeit auf Bildschirme, Tastaturen, Lautsprecher sowie Powerpoint-Diagramme aufteilen und gleichzeitig den Raum wahrnehmen, sprechen und zuhören sollen, werden wir geteilt. Daran kann keine Erfindung der Welt etwas ändern. Der Badezuber hingegen blendet alles außer dem persönlichen Treffen aus. Zwar nur von den Schultern aufwärts, doch das kann in jedem Fall ausreichend sein.